Von Carolyn D. Townes OFS, Mitglied unseres Internationaler Vorstand
An jenem ersten Tag der Woche gingen zwei Jünger mit schweren Herzen und langsamen Schritten eine staubige Straße entlang. Sie trugen die Last der Trauer, der Verwirrung und des Zusammenbruchs dessen, was sie zu wissen glaubten. Die Welt kam ihnen kleiner vor. Und doch gingen sie trotz ihrer Trauer weiter. Sie bewegten sich weiter durch die Schöpfung – vorbei an Feldern, Bäumen und der Schönheit der Welt, die selbst inmitten der Dunkelheit der Kreuzigung weitergelebt hatte.
Der auferstandene Jesus erscheint ihnen nicht in einem Heiligtum oder im Tempel. Er kommt zu ihnen auf einer Straße. Einer einfachen, bodenständigen, unbefestigten Straße. Er begegnet ihnen im Gehen, im Gespräch, inmitten ihrer Verwirrung und Trauer. Er begegnet ihnen im Freien, wo der Staub an ihren Sandalen klebt und der Wind ihre Gesichter streift. Die Auferstehung, so scheint es, ist nicht auf heilige Stätten beschränkt. Sie ist in das Gewebe der Schöpfung selbst eingebunden.
Während sie gehen, hört Jesus zuerst zu. Er lässt sie ihren Kummer benennen. Er lässt sie von der Welt sprechen, wie sie sie sehen – zerbrochen, ungerecht und ungewiss. Erst dann beginnt er, ihnen die Heilige Schrift zu erklären, und hilft ihnen zu erkennen, dass Gottes lebensspendendes Wirken sich schon immer durch die Natur entfaltet hat: brennende Büsche, geteilte Meere, Wanderungen durch die Wüste, Gärten, die voller Verheißung blühen. Die Schöpfung war schon immer ein Partner der Offenbarung. Doch sie erkennen ihn nicht.
Nicht, bis sie anhalten. Nicht, bis sie an einem Tisch sitzen. Nicht, bis er Brot nimmt, Getreide von der Erde. Er segnet es, bricht es und gibt es ihnen. In diesem Moment der gemeinsamen Mahlzeit werden ihre Augen geöffnet. Die Auferstehung wird nicht durch Argumente oder Beweise real, sondern durch Beziehung, Gastfreundschaft und die Gaben der Erde. Das ist der Kern von Ostern: Christus, der sich offenbart im Brechen des Brotes, im Gehen auf den Straßen, in der alltäglichen Heiligkeit der Schöpfung.

Heute gehen wir unsere eigenen Emmaus-Wege. Wir tragen unsere eigenen Sorgen – persönliche, gemeinschaftliche und ökologische. Wir sehen die Wunden der Erde: kahlgeschlagene Wälder, verschmutzte Gewässer, verschwindende Arten, sich mit alarmierender Geschwindigkeit verändernde Wetterverhältnisse. Wir spüren die Last einer Schöpfung, die nach Heilung seufzt. Und wie jene frühen Jünger fragen wir uns manchmal, ob Hoffnung noch möglich ist.
Doch Ostern beharrt darauf, dass Hoffnung nicht nur möglich ist, sondern sich bereits unter der Oberfläche regt. Die Auferstehung ist keine Flucht aus der Welt; sie ist Gottes tiefes „Ja“ zur Welt. Ein Ja zu den Körpern, zum Boden, zum Atem, zu den Ökosystemen, zum miteinander verflochtenen Netz des Lebens. Ein Ja zu der Möglichkeit, dass das, was zerbrochen ist, wiederhergestellt werden kann.
Die Emmaus-Geschichte erinnert uns daran, dass Christus mit uns auf dem Weg der ökologischen Trauer geht. Er hört auf unsere Ängste. Er nimmt unsereKlagen auf. Und er lädt uns ein, die Schöpfung nicht als Kulisse für unser spirituelles Leben zu sehen, sondern als lebendiges Zeugnis für Gottes fortwährendes Auferwaltungswerk.
Als die Jünger Jesus schließlich erkennen, sagen sie: „Brannte nicht unser Herz in uns?“ Dieses Brennen ist nicht nur geistliche Inbrunst – es ist ein Erwachen. Es ist die Erkenntnis, dass Gott die ganze Zeit gegenwärtig war, bei jedem Schritt, bei jedem Atemzug, in jedem Lebewesen.
Die Dichterin Mary Oliver schrieb einmal: „Anleitung für ein Leben: Achte darauf. Staune. Erzähle davon.“ Ostern ruft uns zu dieser Art von Achtsamkeit auf – dazu, die Auferstehung in kleinen, stillen Weisen wahrzunehmen: ein Samenkorn, das sich durch die Erde drängt, ein Fluss, der wieder klar wird, eine Gemeinschaft, die sich für nachhaltige Praktiken entscheidet, ein Kind, das voller Hoffnung einen Baum pflanzt. Sich um die Schöpfung zu kümmern bedeutet, an der Auferstehung teilzuhaben. Es bedeutet, mit unseren Taten zu zeigen, dass wir glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass Wiederherstellung stärker ist als Zerstörung und Gemeinschaft stärker als Konsum. Es bedeutet, den Weg nach Emmaus mit offenen Augen, brennendem Herzen und Händen zu gehen, die bereit sind, die Erde zu segnen, die uns zuerst segnet.
Christus ist auferstanden – und die Schöpfung erwacht mit ihm.